Taiwans Tempel sind sinnbildlich für das Land- es gibt sie in unvorstellbarer Anzahl (gibt es mehr Tempel oder Conveniencestores in Taiwan?) und gleichzeitig stehen sie für das friedliche Miteinander, unabhängig davon welcher religiösen Gemeinschaft man angehört.

Die Tempeldichte ist einer der ersten Besonderheiten, die dem Besucher Taiwans auffallen kann. Auf dem Weg zum Einkauf, ins Büro oder vor einer Prüfung- der Weg in den Tempel ist vollständig in den Alltag der Taiwaner integriert und es gibt auch keine besondere Kleiderordnung, um in den Tempel zu gehen. Und Tempel in Taiwan haben auch nicht unbedingt eine exponierte Position. Anders als zu den Gebetshäusern in Europa kann sich ein Tempel auch direkt neben dem Supermarkt befinden

Die Bewohner Taiwans glauben entweder im Buddhismus oder Daoismus oder sind Anhänger der konfuzianischen Lehre. Daneben sieht man überall in den Städten und sogar den abgelegensten Winkeln in den Bergen eine christliche Kirche. Etwa 3% der Bevölkerung sind Christen, deren Glauben erstmalig Mitte des 17. Jahrhunderts mit den Missionaren auf die Insel kam.

Wunderschöne Tempelarchitektur

Der Guandu-Tempel in Taipei- und ganz hinten siehst du die Spitze des Taipei 101
Der Guandu-Tempel in Taipei- und ganz hinten siehst du die Spitze des Taipei 101

Die bunten Dächer der Tempel prägen die Kulissen in der Stadt und auf dem Land. Die Drachen und bunten Keramikfiguren auf den traditionell in Form von Schwalbenschwänzen geschwungenen Dächern laden immer wieder zu einem Blick nach oben ein. Häufig erzählen sie sogar eine kleine Geschichte. Immer zu sehen ist der Drache, der in der chinesischen Kultur – sehr konträr zu der westlichen Symbolik- stets Positives verkörpert und für Weisheit und Stärke steht.

Auch ohne bewusst nach einem Tempel Ausschau zu halten, wirst du ihn wahrnehmen. Dann, wenn bei einem Spaziergang durch die älteren Stadtviertel Taiwans der Duft der Räucherstäbchen deine Nase umspielt und dich der Ruf des Mönches in den Tempel lockt.

Am Eingang begrüßen dich die Tempelwächter, die Löwen. Sie dienen der Bewachung des Tempels und der Abwehr des Bösen.

Löwe als Tempelwächter vor dem Konfuzius-Tempel in Tainan
Löwe als Tempelwächter vor dem Konfuzius-Tempel in Tainan

Lebendige Tempelkultur

An welchem Geräusch kannst du definitiv erkennen, dass du in Taiwan bist?
Richtig- an dem typischen Geräusch der zu Boden fallenden roten Holzmonde. Es „klackert“ den ganzen Tag im Tempel, egal ob am frühen Morgen oder zu später Stunde. Wenn es um offene Fragen des Lebens geht, für deren Beantwortung die Götter um Hilfe gebeten werden, dann ist das Werfen der Hölzchen unumgänglich. Und wie läuft diese Fragenzeremonie?

Zunächst nimmst du die Halbmonde und weihst sie über dem Weihrauchofen, der am Anfang oder mittig im Tempel steht. Bewege sie drei Mal im Uhrzeigersinn über dem Rauch. Dann nimmst du die Hölzer mit den flachen Seiten zueinander zusammen in die Hände. Stehe in Richtung der Gottheit, die du befragen möchtest und stelle dich zunächst stumm mit Namen, Geburtstag und deiner Frage vor. Dann werfe die Holzstückchen auf den Boden vor dir. Je nachdem wie sie gelandet sind, kannst du die göttliche Antwort interpretieren.

Die Hölzchen haben entschieden!

Fällt ein xiáo bēi (筊杯) mit der gewölbten Seite, dem Yin, nach oben und das andere mit der flachen Seite, dem Yang, nach oben, dann haben die Götter deine Frage verstanden und antworten mit einem „Ja“. – Wenn beide mit der gewölbten Seite nach oben zeigen, lautet die Antwort auf deine Frage „Nein“. Fallen beide auf die gewölbte Seite und die flachen Seiten zeigen nach oben, sind die Götter über deine Frage belustigt oder halten sie für irrelevant. Versuche sie neu zu formulieren. Du kannst das Ganze so oft wie möglich wiederholen.

Die Tempel in Taiwan finanzieren sich über Spenden aus der Gemeinde oder von Privatpersonen und Stiftungen. Eine Tempelsteuer existiert in Taiwan nicht.

Dir werden vielleicht die schönen Bemalungen auf den Türen auffallen. Die Türgötter (mén shén) bewachen den Tempel und sollen die Gläubigen vor den bösen Geistern beschützen. Es werden entweder Kriegsgeneräle abgebildet oder Literaten.

Mazu steht ganz oben in den Charts der Götter

Auf deiner Reise durch Taiwan wirst du immer wieder einer Göttin begegnen: Mazu! Sie ist die Göttin der See und soll tatsächlich in der Provinz Fujian gelebt haben. Den Erzählungen nach hat sie mit ihren magischen Kräften zu Lebzeiten den Seeleuten mehrfach das Leben gerettet. Da die Taiwaner vom Fischfang leben und von der „Gnade“ der See abhängig sind, hat Mazu postum den Weg in die taiwanische daoistische Götterwelt gefunden, wird aber genauso auch in China, Japan und den südostasiatischen Ländern angebetet. Sie selbst wird immer von zwei Dämonen bewacht, dem mit grüner Farbe bemalten Qianliyan und dem rötlichen Shunfeng’er.

Der wohl bekannteste Mazutempel ist der Tianhou Tempel in Lukang, der ältesten Stadt Taiwans. Wenn die Ikone Geburtstag hat, wird es richtig spektakulär. Ein You-Tube Video der UNESCO rund um die Feierlichkeiten findest du hier .
Wann hast du dein Date mit ihr hier in Taiwan?

Meine Tempel-Favoriten in Taiwan

Welche Kriterien habe ich für diese Hitliste zu Grunde gelegt? Ganz einfach: Alter, Abwechslung und Atmosphäre!

Der Lukang Tienhou Tempel ist Mazu gewidmet
Bildquelle: ohorecky auf Pixabay

Lukang Tienhou Tempel

Er zählt zu den ältesten Tempeln in Taiwan und wurde in der Übergangszeit zwischen der Ming-Dynastie und der Qing-Dynastie erbaut. Er liegt in der Altstadt von Lukang, die aufgrund ihrer historischen Straßenzüge ebenfalls sehr sehenswert ist. Nachdem der Tempel von seiner ursprünglichen Lage umgesetzt wurde, wird seit dem Jahr 1725 an dem heutigen Standort gebetet.

Wenn du dir den Tempel anschaust, fällt die bestimmt die Konstruktion der prächtigen Kassettendecke ins Auge. Dieses Meisterwerk der Schnitzkunst ist nicht nur schön anzusehen, sie dient auch der Klimaregulierung. Als besonders wertvolle Kulturgüter gelten die alten Inschriftentafeln, die von verschiedenen Kaisern dem Tempeln verliehen wurden.

Du möchtest du schon heute einen Blick in den Tempel werfen? Auf der Internetseite der Tempelgemeinschaft findest du einen virtuellen Rundgang.

Und natürlich findest du hier die Ikone der weiblichen Götter: Mazu!

Adresse: No. 430, Zhongshan Rd., Lukang Township
Öffnungszeiten: täglich von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr  

WenWu Tempel in Yuchi am Sonne-Mond See

Der WenWu-Tempel in Yuchi am Sonne-Mond-See
Der WenWu-Tempel in Yuchi am Sonne-Mond-See

Wenn du einen Tempelbesuch mit einem tollen Ausblick verbinden möchtest, dann ist der WenWu Tempel am Sonne-Mond See ein echter Tipp! Die im Palaststil erbaute Anlage wird von zwei riesengroßen Löwen bewacht. Sie besteht aus drei Haupthallen, die über zwei Stockwerke verteilt sind, mehreren kleinen Nebengebäuden und einem Garten mit Koi-Teich.

In der Haupthalle werden Guan Yu und Yue Fei, zwei bedeutende Generäle aus der Han- bzw. Song-Dynastie, verehrt. Die Halle weiter hinten ist Konfuzius gewidmet und enthält im Gegensatz zu allen anderen Konfuziustempeln des Landes eine Statue des Weisen. Erklimme das oberste Stockwerk des Tempels und genieße den, wie ich finde schönsten Ausblick von Taiwans Tempel: der Sonne-Mond See liegt zu deinen Füßen und ein Sonnenuntergang von hier oben zu sehen, ist eine wundervolle Erinnerung an Taiwan!

der Wen-Wu Tempel in Taiwan
Die Holzkonstruktionen des WenWu-Tempels sind prächtig

Adresse: No. 63, Zhongzheng Road, Yuchi Township
Öffnungszeiten: täglich bis 20 Uhr

Konfuziustempel in Taipei

Mit Konfuzius ist alles anders!

Du befindest dich in einem Tempel in Taiwan und er ist nicht bunt und auch die Götter scheinen Ausgang zu haben? Dann stehst du entweder in einem Tempel der nur Konfuzius gewidmet ist oder in einem der wenigen noch erhaltenen japanischen Schreine.

Der Eingang des Konfuzius Tempels in Taipei
Die Figuren symbolisieren die Lehre von Konfuzius und wurden anlässlich eines Wettbewerbs kreiert

So schlicht der Tempelbau an sich auch ist, die Gartenanlage rund um den Tempel erinnert mit den hohen Palmen und dem perfekt gepflegten Rasen eher an eine Hotelanlage als an einen traditionellen Tempel. Tatsächlich ist dieser Bau auch komplett neu gebaut und nicht nach und nach restauriert, wie der Bao’an Tempel gleich um die Ecke.

Mehr zu dem in Taiwan hochverehrten Gelehrten erfährst du in meinem Beitrag rund um den Geburtstag von Konfuzius.

Adresse: No.275, Dalong St., Datong District, Taipei City 103,
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 8 :30 Uhr bis 21:00 Uhr, montags geschlossen

Fuyou Tempel in Tamsui

In dem Fischerort Tamsui an der „Alten Straße“ (Zhongzheng Road) liegt dieser kleine Tempel mit den historischen Holztafeln. Der Tempel wurde Ende des 18. Jahrhundert gebaut und auch hier steht die Göttin Mazu im Mittelpunkt der Verehrung. Allerdings findest du im kleinen Hof an der rechten Seite auch noch weitere Götternischen.

Blick in den Fuyou Tenpel in Tamsui, Taiwan

Wenn du diesen daoistischen Tempel betrittst, kannst du erahnen, wie es im alten Tamsui ausgesehen haben könnte. Gerade der Kontrast zwischen den modernen Wohnanlagen in Tamsui und dieser kleine Ort der besinnlichen Erinnerung, ist einen Besuch wert.

Adresse: No. 200, Zhongzheng Road, Tamsui District, New Taipei City
Öffnungszeiten: täglich von 6:00 Uhr bis 20:00 Uhr

Tempeletikette

In Taiwan einen Tempel zu besichtigen ist sehr unkompliziert. Wenn du dein Verhalten an die hiesigen Gewohnheiten anpassen und so die Anerkennung deiner Gastgeber erlangen möchtest, dann beachte Folgendes:

Betreten des Tempels:

Gehe immer rechts durch die Tür und trete nicht auf die Schwelle, die den Eingang zum Tempel markiert. Die Schwelle soll die bösen Geister aussperren und auf die Schwelle treten, bedeutet Unglück. Wenn du den Tempel verlassen möchtest, benutze die andere Tür.

Verhalten

Du darfst dich natürlich mit Anderen unterhalten, aber bitte in gedämpfter Lautstärke und so, dass du betende Personen nicht störst.  Auch solltest du nicht vor ihnen entlanglaufen und ihr Sichtfeld im Gebet durchqueren.

Kleidung

In den seltensten Fällen musst du deine Knie oder Arme bedecken. Taiwaner sind hier sehr tolerant. Bermuda/Shorts sind okay, solange an diesem Tag nicht ein besonderes Tempelfest begangen wird. Dann bist du ein gern gesehener Gast in einem langen Rock oder einer Hose. Hotpants und tief ausgeschnittene Tops solltest du generell im Schrank lassen. Die Schuhe darfst du im Tempel anlassen.

Videos und Fotos

Fotos sind grundsätzlich erlaubt, es sei denn du siehst am Eingang ein Hinweisschild für ein Fotografieverbot. Beachte nur, dass du nicht Portraitaufnahmen von fremden Personen machst, sondern sich dein Fokus auf den Tempelraum insgesamt bezieht und dass du deinen Blitz ausgeschaltet hast.

Verfasst von

Chris

Ich lebe seit 2018 in Taipei und entdecke die Stadt und die ganze Insel jeden Tag aufs Neue und möchte mein Wissen und meine Erfahrung mit euch teilen.